Portfolio

Symbiogenesis

glasierte Keramik, Rakubrand

3-teilig; 80 x 36 x 30 cm

2024

Symbiogenesis (2024)


Entstanden beim Keramiksymposium 2024 in Mils bei Hall (Verein IKunst) wurde Symbiogenesis im Rakubrennverfahren realisiert. Hitze, plötzliche Temperaturwechsel, Rauchspuren und Craquelé-Strukturen prägen die Oberfläche und sind integraler Bestandteil der Form.

Der Titel verweist auf das biologische Prinzip der Symbiogenese: neue Strukturen entstehen durch das Zusammenwirken eigenständiger Einheiten. Die einzelnen Bereiche behaupten ihre Eigenständigkeit und sind zugleich aufeinander angewiesen; Stabilität entsteht durch Schichtung, Balance und wechselseitige Abhängigkeit.

Raku-Risse, Rauchzeichnungen und kontrastreiche Flächen machen den Brennprozess sichtbar. Die Skulptur erscheint zugleich verletzlich und widerständig. Symbiogenesis ist ein offenes System, in dem Wachstum, Konstruktion und Fragilität in ständiger Spannung zueinander stehen.

 

MonochroCoccinella

glasierte Keramik;

4 - teilig; 73 x 45 x 43 cm;

2024

Ceramipolyp

glasierte Keramik; 2 - teilig;

59 x 35 x 30 cm;

2024

Ziegelschnabelhals

glasierte Keramik;

3 - teilig; 76 x 25 x 22 cm;

2024

Zoophyt

(Schwamm)
glasierte Keramik; 2 - teilig;

42 x 40 x 36 cm;

2022

Artist Statement


Yara Lettenbichler entwickelt keramische Skulpturen in einem intuitiven, zugleich materialgeleiteten Prozess. Ton wird dabei nicht als neutraler Formträger verstanden; seine Instabilität – das Kippen, Einsacken oder Reißen im feuchten Zustand – prägt die Arbeit aktiv. Die Form entsteht im Spannungsfeld zwischen Materialautonomie und gezieltem Eingriff. Kontrolle und Kontrollverlust wirken als produktive Kräfte innerhalb des Prozesses.


Viele Arbeiten bestehen aus modularen Elementen, die über Steck- oder Verbindungssysteme zusammengefügt sind. Diese Modularität erzeugt Offenheit: Skulpturen können erweitert, verschoben oder neu konfiguriert werden. Form wird nicht als abgeschlossenes Objekt gedacht, sondern als vorläufige Struktur. Veränderung, Zeitlichkeit und potenzielle Weiterentwicklung sind in die Konstruktion eingeschrieben.

Die Formensprache entwickelt sich aus der Beobachtung biologischer und organischer Prozesse. Pflanzliche, tierische und mikrobiologische Referenzen verbinden sich zu spekulativen, zugleich plausiblen Organismen. Die Skulpturen erscheinen wie mögliche Lebensformen – zwischen Vertrautheit und Fremdheit, Stabilität und Mutation.

Die Oberfläche ist dabei ein zentrales Bedeutungselement. Textur, Glasur und Farbe artikulieren Spannungen zwischen Verdichtung und Leere, Vitalität und Fragilität, Wachstum und Zerfall. 


Lettenbichlers Praxis positioniert Keramik klar im Kontext zeitgenössischer Skulptur. Ihre Arbeiten sind keine statischen Objekte, sondern offene Systeme. Sie verhandeln das Verhältnis zwischen Materialverhalten, struktureller Logik, Spekulation und Wahrnehmung und integrieren Risiko, Instabilität und Materialintelligenz als grundlegende Bedingungen des Skulpturalen.

 

Ecdysis (Häutung)
glasierte Keramik; 2-teilig;

59 x 42 x 26 cm;

2022

Zinnober

glasierte / engobierte Keramik;

80 x 33 x 21 cm; 2022

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Kallus

glasierte / engobierte Keramik; 50 x 30 x 30 cm; 2019

Fusion
glasierte Keramik, 4 - teilig;

70 x 30 x 29 cm;

2022

Estrovento

glasierte / engobierte Keramik;

60 x 40 x 33 cm; 2022


Ohne Titel

glasierte / engobierte Keramik, 43 x 33 x 30 cm; 2020

Unendliche Skulptur

glasierte / engobierte Keramik;

mehrteilig á ca. 40 x 40 x 40 cm; 2018

Unendliche Skulptur – Masterarbeit


Die Unendliche Skulptur ist als offenes System konzipiert – eine Skulptur ohne endgültigen Anfang oder Abschluss. Einzelne keramische Module sind so gestaltet, dass ihre Schnittstellen formal zueinander passen, der Verlauf der Gesamtform jedoch jedes Mal neu entsteht. Elemente können hinzugefügt, entfernt oder neu kombiniert werden, wodurch sich die Skulptur kontinuierlich verändert.

Das Werk widersetzt sich der Idee des abgeschlossenen Objekts. Statt einer fixen Form entsteht ein Prozess, der potenziell unbegrenzt fortgesetzt werden kann. Jede Präsentation ist eine Momentaufnahme innerhalb eines fortlaufenden Wachstums.

Zugleich versteht Lettenbichler die Arbeit als langfristiges Archiv ihrer eigenen künstlerischen Entwicklung. Neue Module können auch in Jahrzehnten ergänzt werden – wodurch sich Veränderungen in Materialbehandlung, Formensprache und Haltung direkt in die Struktur einschreiben. Die Skulptur wird damit nicht nur formales System, sondern Zeitkörper: ein sichtbares Kontinuum künstlerischer Transformation.

Ohne Titel

glasierte Keramik, Holz, Lack,
210 x 40 x 40 cm;
2018

Die Zeit läuft

glasierte Keramik,

154 x 23 x 23 cm;

2018

Step Into – dreiteilige Serie


Die dreiteilige Serie Step Into entstand im Rahmen eines fünfwöchigen Keramiksymposiums in Gmunden, bei dem Yara Lettenbichler in den Werkstätten der Gmundner Keramikmanufaktur sowie bei der Firma Laufen arbeitete. Ausgangspunkt der Arbeiten waren vor Ort gefundene industrielle und traditionelle Objekte, die in den skulpturalen Prozess integriert wurden.

Lettenbichler entwickelte wesenhafte, beinartige Keramikformen, die scheinbar in diese Objekte eintreten, in sie hineinstürzen oder von ihnen absorbiert werden. Ein typischer Teller mit grünem Spiralornament der Gmundner Keramik wird zur Oberfläche, in die sich eine Figur einschreibt und transformiert. Beim Unternehmen Laufen dient der wabenstrukturierte Unterboden eines Waschbeckens als formgebendes Gegenüber.

Die Serie untersucht Übergänge zwischen autonomer Skulptur und industriellem Produkt, zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Körper und Oberfläche. Durch das „Eintreten“ entsteht ein Moment der Transformation: Die keramischen Wesen verschmelzen mit dem Vorgefundenen und verändern dessen Bedeutung.

Step Into thematisiert Aneignung, Kontextverschiebung und die Durchlässigkeit von Form – eine poetische Intervention in bestehende keramische Systeme.

 

Step into I

glasierte Keramik,
100 x 90 x 70 cm;
2018

Step into II

glasierte Keramik;

90 x 65 x 60 cm;

2018

Step into III

glasierte /engobierte Keramik, Metall,
61 x 60 x 50 cm;
2018

Phylum

glasierte / engobierte Keramik;

4 - teilig;

200 x 45 x 45 cm;

2017

Sein oder nicht sein?

ungebrannter Keramikton, Holzbox, Schneeflocke;

500 x 170 x 35 cm;

2016

Sein oder Nicht-Sein – Bachelorarbeit, 2021


In „Sein oder Nicht-Sein“ untersucht Yara Lettenbichler die Grenzen von Wahrnehmung, Realität und Erwartung im künstlerischen Raum. Das Werk besteht aus einem keramischen Netz, hinter dem eine Holzbox verborgen ist. Vor dem Netz ist ein Hammer positioniert – ein symbolischer Hinweis auf die Möglichkeit des Eingriffs.

Die eigentliche Arbeit befindet sich in der Box: während der Präsentation war darin eine Schneeflocke, die bereits geschmolzen war. Auf den ersten Blick scheint die Box leer – und doch ist etwas vorhanden.

Die Arbeit spielt mit der Spannung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Wahrheit und Illusion, inspiriert von Schrödingers Katze: die Existenz des Objekts hängt von der Beobachtung ab. Der Eingriff eines Betrachters oder Prüfers verändert die Wahrnehmung und Erfahrung des Werks – eine Reflexion über Kontrolle, Zufall und die Rolle des Publikums im Entstehungsprozess.